„Ich gehöre zu den Top 3 in Europa. Das ist schon cool!“
Interview mit einer ganz besonders sportlichen Albert-Schweitzer-Schülerin: Der Ju-Jutsu-Bronzemedaillengewinnerin Clara Malin Armbrecht!

Unsere Schülerin Clara Armbrecht aus der Klasse 7e hat bei der Ju Jutsu-Europameisterschaft auf Kreta die Bronzemedaille in ihrer Alters- und Gewichtsklasse, U16 bis 40kg, gewonnen. Zuvor hatte sie sich über mehrere Kaderlehrgänge für die Teilnahme qualifiziert und wurde dafür in der Woche vor den Osterferien vom Unterricht freigestellt. Insgesamt wurde sie schon dreimal Landesmeisterin, zweimal Zweite und dieses Jahr Erste bei den Norddeutsche Meisterschaften, einmal Dritte und letztes Jahr Erste bei den Deutschen Meisterschaften. Und nun Dritte in Europa!
Im Interview spricht sie über ihren Sport, die intensive Vorbereitung und ihre Erfahrungen bei der Europameisterschaft. Und wir lernen den Menschen Clara näher kennen!
Gestatten: Armbrecht. Clara Malin Armbrecht!
Clara, stell dich bitte kurz vor: Wer bist du?
Clara: Ich heiße Clara Malin Armbrecht, bin 13 Jahre alt und wohne in Schessinghausen. Außerdem habe ich noch einen kleinen Bruder, Joris, der ist 10, und meine Eltern, Diana und Steffen. Ach, und Bailey, unseren Hund. Das ist ein Australian Shepherd Labrador-Mix.
Welche Hobbys hast Du? Da wäre natürlich Ju Jutsu. Was machst Du noch gerne?
Clara: Ich spiele auch noch Fußball im Verein. Beim SV Husum. Da spiele ich im Sturm.
Mensch, Du bist ja richtig sportlich. Ju Jutsu ist vielen wohl weniger bekannt als Fußball. Wie würdest Du Ju Jutsu jemandem erklären, der den Sport noch nie gesehen hat?
Die ‚sanfte Kunst‘ des Kämpfens – Tritte und Würgen inclusive!
Clara: Das ist ein Kampfsport, eine Kombination aus Judo, Taekwondo und Selbstverteidigung. Ich betreibe den seit 2018. Es gibt da zwei verschiedene Kampfarten. Da ist das Fighting. Das mache ich. Und das Newaza, das kann man sich als Bodenkampf vorstellen. Man muss sich das so vorstellen. Man grüßt auf der Matte an, den Gegner und auch den Kampfrichter. Mit Verbeugung und man klatscht beim Gegner ab mit der Faust. Im Fighting versucht man so schnell wie möglich, den Gegner auf die Matte zu bringen. Ein Kampf dauert 3 Minuten, die Zeit hat man also dafür.
Und was macht man da genau?
Clara: Es gibt Griffe, zum Beispiel Haltegriffe und Würgegriffe, Hebeln, Würfe und Tritte. Aber nicht gegen den Kopf, das erst ab 16. Wir haben auch zur Sicherheit einen Mundschutz sowie Hand- und Fußknöchelschutz.
Und wie gewinnt man einen Kampf?
Clara: Sieger ist, wer den anderen 15 Sekunden am Boden im Haltegriff hat. Da hebelt man oder setzt Würgegriffe ein. Man sammelt auch Punkte, Ippons, das sind Punkte für das Treffen des Gegners und für die technische Ausführung.Und es kann ein vorzeitiges Ende geben, wenn man drei Ippons erzielt hat, zum Beispiel einmal für ein gutes Schlagen oder Treten, und wenn man dann einen Ippon anschließend für das Werfen und Zu-Boden-Bringen und dann für Halten oder einen Würgegriff erhält, hat man einen Full Ippon, dann geht es nicht über 3 Minuten und man gewinnt. Mit einem Full Ippon hat man dann 50:0 Punkte – kann am Ende sehr entscheidend sein. Ja, und wenn man keinen Full Ippon im Kampf bekommt, gewinnt man den Kampf nach Ablauf der 3 Minuten Zeit nach Punkten.
Wie läuft denn das Training ab? Und wie häufig trainierst Du?
Clara: Ich trainiere zweimal pro Woche beim TKW Nienburg in der Ju Jutsu-Sparte.Wir wärmen uns auf, zum Beispiel, indem wir Rollen und Stürze machen. Seitwärts-, Vorwärts- und Rückwärtsrollen. Und dann machen wir Technikübungen, wir wiederholen oder lernen Neues. Und dann machen wir Randoris (freies Üben, freier Kampf, Sparring, Anm. der Red.). Zu Hause mache ich noch Übungen wie Kraftübungen, Griffkraft und Ausdauertraining. Dafür habe ich extra einen Trainingsplan, weil ich Athletin im Bundeskader bin.
Der Weg zum Ju Jutsu
Wie bist du zu deinem Sport gekommen?
Clara: Durch eine Freundin meiner Mutter. Die ist Co-Trainerin beim Ju Jutsu und die hat mich zum Probetraining mitgenommen.
Gab es einen Moment, an dem du gemerkt hast: Das ist genau mein Sport?
Claras Antwort: Mir hat das schon gefallen. Und nach den 1. Wettkämpfen ganz besonders.
Training und Kaderlehrgänge
Du hast dich über mehrere Kaderlehrgänge für die Europameisterschaft qualifiziert. Wie hast du diese erlebt?
Clara: Ich war bei der Landesmeisterschaft Niedersachsen, da bin ich erste geworden. Dann war ich bei der Norddeutschen Meisterschaft und wurde zweite. Die Deutsche Meisterschaft dann habe ich gewonnen. Und da waren Leute dort, die Sichtungen für den Bundeskader gemacht haben. Die haben mich gesichtet und sich die Kämpfe angeschaut. Und bei der Siegerehrung wurde mir dann ein Zettel gereicht, auf dem war die Einladung zum Probetraining bei der Kadersichtung. Im September 2025 war dann das Sichtungstraining. Und dann ging es darum: Wer kommt in den Kader? Da wurde ich ausgewählt, im November 2025 habe ich die Nachricht bekommen: Ich bin dabei!! Dann habe ich noch Bundeskader-Lehrgänge im Januar und Februar 2026 gemacht und wurde schließlich in den Nationalkader für die Europameisterschaft aufgenommen.
Super. Da hast Du ja schon eine Menge erreicht. Was war dort besonders herausfordernd?
Clara: Ich war schon ziemlich aufgeregt.
Hast Du Tricks, damit umzugehen? Rituale oder Glücksbringer?
Clara: Hm, eigentlich nicht. Aber für die Europameisterschaft hat mir meine Mutter vor dem Abflug einen Marienkäferschlüsselanhänger geschenkt.
Hast Du beim Ju Jutsu besondere Stärken?
Clara: Ich würde sagen: Den Fußstoß seitwärts. Und als Wurftechnik die kleine Innensichel.
Die Europameisterschaft auf Kreta
Wie hast du die Zeit auf Kreta erlebt – schon ab der Ankunft?
Clara: Also, ich bin erst einmal mit dem Kader geflogen, ohne meine Eltern. Es ging erst von Frankfurt nach Athen, dann Umstieg und Flug nach Kreta. Und da wurden wir dann mit dem Bus zu einem Sporthotel gebracht. Das war cool, ich war nicht nervös, obwohl meine Eltern nicht dabei waren. Denn da waren ja meine Freunde im Kader. Das war am 17.3., einem Dienstag. Am Mittwoch durften wir dann schon einmal in die Halle und haben uns die Erwachsenenkämpfe angesehen. Am Abend stand dann das Wiegen auf dem Programm. Ich bin in der Gewichtsklasse unter 40kg gemeldet. Wiegt man mehr, ist man nicht für den Kampf zugelassen. Die müssten sonst die Kampfpaarungen neu errechnen, das ist zu aufwendig. Bei normalen Wettkämpfen, also nicht EM, käme ich dann in die nächste Gewichtsklasse unter 44 kg. Es gibt aber keine Essensvorgabe. Wir achten da selber im Alltag darauf. Gewogen wird sonst meist zu Hause.
Und wie ging es dann weiter?
Clara: Am Donnerstag, dem 19.03., war mein Kampftag und die Medaillenehrung auf dem Siegerpodest. Freitag waren dann die U18-Kämpfe und für Samstag war der Rückflug angesetzt. Meine Eltern waren aber an dem Mittwoch separat nachgeflogen, und wir sind dann auf Kreta noch etwas länger geblieben.
Wie war der Wettkampftag selbst?
Clara: Es ging um 8 Uhr morgens mit den Kämpfen los. Auf meinen ersten Kampf musste ich aber bis 15 Uhr warten.
Das war bestimmt nicht so einfach, so lange zu warten.
Clara: Nein. Das war lange. In meiner Klasse waren sechs Kämpfer bis nach Kreta gekommen. Es gab dann zwei Gruppen mit je 3 Kämpfern, die zwei besten aus der Gruppe kamen weiter. Es waren zwei Griechinnen, eine Rumänin, eine Ukrainerin und mit mir zwei Deutsche. Ich bin dann bis ins Halbfinale gekommen. Am Abend war dann die Medaillenzeremonie und ich habe die Bronzemedaille umgehängt bekommen.
Bronze-Medaille – was bedeutet das?
Das ist sehr beeindruckend. Was bedeutet Dir die Bronzemedaille?
Clara: Ist schon cool.Was ganz Besonderes. Da waren Kämpfer aus ganz Europa da und ich gehöre zu den Top 3. Und durch die Bronzemedaille habe ich mich für die Weltmeisterschaft qualifiziert.
Druck, Sieg und Niederlage
Absolut! Eine Wahnsinnsleistung! Und wie gehst du mit Niederlagen oder Rückschlägen um?
Clara: Ich ärgere mich schon nach einer Niederlage. Bei der Europameisterschaft, im Halbfinale, da war das so: Ok, andere sind eben auch stark.
Vorbilder
Gibt es ein sportliches Vorbild für dich?
Clara (denkt nach): Hm, so richtig nicht. Oder: Vielleicht der Sohn des Trainers. Der war Europameister letztes Jahr. Hat eine tolle Technik.
Schule, Freunde und Wahrnehmung
Wie haben deine Mitschülerinnen und Mitschüler auf deinen Erfolg reagiert?
Clara: Die haben mir gratuliert, freuen sich für mich. Viele Freunde und auch Klassenkameraden haben die Europameisterschaft und meine Kämpfe live am Bildschirm gesehen. Die Kämpfe wurden nämlich live auf Youtube übertragen.
Ausblick
Was nimmst du aus dem Sport für dein Leben mit?
Clara (denkt nach): Ich habe sicher jetzt mehr Selbstvertrauen.
Welche Ziele hast du im Ju Jutsu für die Zukunft?
Clara: Ich gehe zur Weltmeisterschaft. Da möchte ich natürlich auch gut abschneiden – am liebsten mit einer Medaille! Die WM ist im August, letzte Woche in den Sommerferien. Ich hoffe auf die Nominierung. Aber das sollte klappen. Wer auf dem Treppchen stand, ist eigentlich dabei.
Und wo findet die statt?
Clara: Das weiß ich noch nicht. Wurde noch nicht gesagt. Eigentlich sollte sie in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate, an der Straße von Hormuz, Anm. d. Redaktion) stattfinden. Aber das geht ja gerade nicht (wegen des Irankrieges, Anm. d. Redaktion).
Abschlussfrage
Was würdest du anderen Schülerinnen und Schülern sagen, die überlegen, mit einem Sport anzufangen? Und was muss man dafür mitbringen?
Clara: Es ist ein toller Sport. Ehrgeiz hilft ungemein. Und Disziplin. Was mitbringen? Bei Jungen sind ganz besonders auch Kraft und Schnelligkeit wichtig. Bei Mädchen Technik. Und ja: Auch Kraft.
Clara, vielen Dank für das Interview. Ganz herzliche Glückwünsche noch einmal zu Deiner Bronzemedaille bei der Europameisterschaft. Und wir freuen uns schon auf die Weltmeisterschaft und werden Dir ganz fest die Daumen drücken!





















