Musical-Apfelbaum an ASS trägt reiche Früchte

Albert-Schweitzer-Schule serviert ‚Das Apfelkomp(l)ott‘ von Andreas Schmittberger/ Musical-Aufführungen der Chor-AG der Klassen 5-8 bieten bei Frühsommerhitze fruchtig-frische Unterhaltung

Aufhängen an einem Apfelbaum wollte man sie! Denn schon die Versuchung bei Adam und Eva begann mit einem Apfel! Und ein fauler Apfel verdirbt schließlich den ganzen Korb. Und hier war ganz sicher etwas faul im Staate! — Nein, in den sauren Apfel beißen musste das Publikum vergangene Woche nicht, als es zur Albert-Schweitzer-Schule strömte, um dort ein Musical mit einigen faulen Früchtchen und einem großen Zankapfel aufgetischt zu bekommen. Und nicht im Staate Dänemark war da etwas faul, sondern in den Dörfern Ober- und Unterapfelhausen, die zufällig im Theaterraum im Forum des Triftweggebäudes der Schule landschaftlich reizvoll gelegen waren.

Am Mittwoch, dem 3. Juni, und Donnerstag, dem 4. Juni, wurde an der Albert-Schweitzer-Schule nämlich das Musical Das Apfelkomp(l)ott von Andreas Schmittberger in der Pausenhalle am Nordertorstriftweg aufgeführt. Die Chor-AG für Fünft- bis Achtklässler unter der Leitung von Christina Hinzmann-Suckel hatte schon in den vergangenen Wochen mit großem Eifer für das Musical über ein paradiesisches Dorfidyll, das durch eine teuflische Intrige, bei dem ein Apfelbaum eine wichtige Rolle einnimmt, fleißig geprobt und dabei reichlich Biss gezeigt für dieses Apfelstück! Und was für ein paradiesisches Plätzchen dieses Dorf doch war, das zur Kulisse für einen ganz speziellen Fall von Sündenfall werden sollte! Das eindrucksvolle Bühnenbild zeigte gleich zwei Dörfer, Unter- und Oberapfelhausen, mit malerischen weißen Häuschen, die sich unter dem duckten, was zum Stein des Anstoßes werden sollte. Oder besser, in dessen Früchten schon bald der Wurm drin sein sollte. Die Rede ist von einem wahren Prachtexemplar von Apfelbaum in der Mitte des Bühnengeschehens, sorgsam ausgestattet mit den passenden Requisiten dank Lena Schlegel und Nora Munk und gekonnt ins rechte Licht gesetzt von Sarah Bartling, verantwortlich für Licht und Ton. Oder ins Zwielicht, könnte man sagen, denn mit dem Dorfmotto deutet sich bereits an, dass im Apfel wahrlich das Wohl und Wehe der Dörfer steckt: ‚An apple a day keeps the doctor away‘ (frei: Ein Apfel am Tag erspart den ärztlichen Rat.‘). Ein Gesundbrunnen in Baumform, sozusagen – wenn des Baumes Früchte sich nicht durch falsche Gärtner als vergiftete Äpfel erweisen würden!
Die Dorfbewohner erfreuen sich nämlich einer schier schamlosen Gesundheit, kurioserweise deshalb, weil sie tagtäglich zu ihrem Baum der Gesundheit in ihrem dörflichen Garten Eden pilgern und kraftvoll in das gute Kernobst beißen. Und wenn dann doch einmal ein Dorfbewohner niesen muss, ist dies kein Hinweis auf eine Krankheit: „Eine Mücke in meiner Nase – daraus wollen wir mal keinen Elefanten machen.“ Ganz unaufgeregt und eklig gesund – finden die Ärzte, denen es gar nicht gut geht, da sie nicht benötigt werden: „Gesunde Haut, gesundes Aussehen, gesunde Verdauung – da dreht sich einem der Magen um.“

Die beiden Dorfärzte, Dr. Hulda von Neid und Dr. Zwietracht (mit ansteckender Spielfreude dargestellt von Maria Funkner und Mirja Bartling (Mittwoch) bzw. Emma Rauschenberger und Emma Blauert (Donnerstag), ausgeschlossen vom allgemeinen Wohlstand und gesellschaftlichen Ansehen, verwechseln daraufhin mal eben ihr hippokratisches Heilssymbol – die um einen Stab gewundene Äskulapnatter – mit der bösen Schlange der Bibel und fassen einen teuflischen Plan. Allein der Gedanke, dass die Äpfel des Mammutapfelbaumes dann doch irgendwann einmal nicht mehr für alle reichen mögen und der Nachbar ohne Schamesröte, aber dafür durchaus apfelbäckig, einem die letzte Frucht wegschnappen könnte, reichen aus, um einen mörderischen Konflikt anzufachen. Geschwind trennt nicht bloß ein kleiner Jägerzaun, sondern eine veritable Mauer die beiden Dorfteile, der Apfelbaum wird zum Grenzbaum und die Dorfbewohner mit ihren redenschwingenden Bürgermeistern (herrlich unwürdig würdevoll dargestellt von Lina Munk und Jillian Wolf (Mittwoch) bzw. Sophia Pannke und Elina Jackson (Donnerstag) greifen statt zum Obstmesser zum scharfen Schwert. Nur die beiden Dorfältesten Hans/Hanna und Gina (weise und witzig gespielt von Ehler-Johann Hegeholz und Ronja Munk (Mittwoch) bzw. Amelie Siemann und Finja Niehold (Donnerstag) durchschauen das Komplott.

Die häufig überkochende Stimmung auf der Bühne fand ihre musikalische und stimmliche Ergänzung in der instrumentalen und chorischen Begleitung und Untergliederung des Stückes. Mal klassisch oder rockig, mal mit Rapeinlagen oder Discosound: Die Chor AG und die Bläser-AG der ASS, mit Elisabeth Vogels am Klavier und allesamt unter dirigistischer Leitung von Christina Hinzmann-Suckel, unterstützten passend den szenischen Verlauf des Werkes und vervollkommneten treffend die mal knisternde, mal heitere Atmosphäre des Stückes. Zwietracht und vor allem Versöhnung auf der Bühne und die erfrischenden musikalischen Leckerbissen honorierte das Publikum einträchtig durch reichlich Applaus – und sicher hätten trotz Frühsommerschwüle noch weit mehr Zuschauer am leckeren Apfelkompott-Theatertisch Platz gefunden. Gleichwohl: Besonders das Lied ‚Manchmal ist der Wurm drin‘ schien es den Zuschauern angetan zu haben, die dabei in rhythmisches Klatschen verfielen.

Bilanz des Stückes: Mauer gefallen, Dörfer wieder vereint und Äpfel für alle! Vor allem aber bleibt die Erinnerung an eine Aufführung, die prächtig gereift ist und dem Publikum so manchen kernigen Apfelgenuss bescherte. Eines steht fest: In diesen Äpfeln steckte kein Wurm – dafür umso mehr Herz, Witz und Spielfreude. Dieser Abend über den Gigantenapfelbaum trug wahrlich reiche Früchte.

Vh

Fotos der ersten Aufführung

Fotos der zweiten Aufführung

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