Wunderbare RRASS Nienburg auf dem Aasee

Siege und Niederlagen auf dem Aasee in Münster für Lennart Schneider und Lukas Normann. „Was macht ihr denn hier?“, so die verwunderte Frage des Betreuers des Bessel Ruder Club Minden am frühen Samstagmorgen auf dem Sattelplatz der DRV-Regatta über 2000 m auf dem Aasee in Münster. Für den Bessel Ruderclub Minden (Sportgymnasium aus NRW) war es offensichtlich zurecht verwunderlich, dass die Schülerruderriege des Kleinstadtgymnasiums Nienburg an einer DRV-Regatta teilnimmt.

Verwunderlich sind sicherlich die Ergebnisse der darauffolgenden zwei Regattatage, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass beide Ruderer im Schnitt seit zwei Jahren im Boot sitzen. Ihnen fehlt also im Vergleich zu anderen 17- oder 18-jährigen A-Junioren manches an Rudererfahrung. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Schülerruderriege als eigenständiger Schülerverein kein professionelles Motorboottraining anbietet, dies auch gar nicht will, sondern stattdessen jüngere und ältere „Kinder“ in wechselnden Besatzungen im Gig-Doppelvierer rudern lässt.

Vor diesem Hintergrund stellt insbesondere der Erfolg im Zweier ohne, der von vielen Ruderinnen und Ruderern als am anspruchsvollsten betrachteten Bootsgattung, die Ruderwelt „ein klein wenig auf den Kopf“ – ein kleines Ruderwunder für die Kleinstadt an der Weser. Aber zunächst zu den einzelnen Rennen: Nach der Anreise am Freitagnachmittag und einem Abschlusstraining rief der Schiedsrichter am späten Samstagvormittag bei wunderbarem Frühlingswetter neben Lukas und Lennart aus Nienburg folgende Vereine an den Start: Münster, Kassel, Krefeld und Uelzen.

Nach einem mäßigen Start konnte sich das Nienburger Duo nach 250 m aus dem Feld lösen und über die folgenden 1750 m einen ungefährdeten Sieg nach Hause holen. Ein erstes Ausrufezeichen, ein erster Achtungserfolg in der Leistungsklasse II (Ruderinnen und Ruderer, die noch keine fünf DRV-Siege erringen konnten). Drei Stunden später lag der Nienburger Doppelzweier wiederum am Start, nur dass den Ruderern nun auf jeder Seite ein Skull und ein Ausleger fehlten. Das Boot ist so, trotz der zwei sehr viel längeren Ruderriemen, also noch lageinstabiler, als das im Doppelzweier bereits der Fall ist.

Zitat: „Lasst das besser sein, ihr fallt mir nur rein oder fahrt im Kreis“, hatte Protektor Weber noch im Herbst des Vorjahres geraten. Aber wie auch andere Vorgänger und Lehrer vor ihnen musste auch er feststellen: Schülerruderinnen und Schülerruderer machen bisweilen, was sie wollen – und nicht, was Protektoren wollen.

Es folgte nun einerseits kein Reinfall, andererseits aber auch kein Ruderwunder: Nach einem, insbesondere für den Zweier ohne bei Seitenwind, hervorragend gelungenen Start konnte das Nienburger Boot den Kontakt zu dem Boot der Ruderer aus Mölln halten und diese mit langen, ruhigen Schlägen nicht davonrudern lassen. Die Führenden vom Ruderverein Uelzen indes konnten sich Schlag um Schlag von den um Platz zwei und drei streitenden Mannschaften lösen.

In Höhe der 1000-m-Markierung attackierte Mölln mit einem klassischen Zwischenspurt, dem Lukas und Lennart, die mit leichten Steuerproblemen zu kämpfen hatten, wenig entgegenzusetzen vermochten. Dennoch hielten sie den Kontakt zum Möllner Boot zunächst aufrecht, mussten sich aber im Ziel mit einem Abstand von 24 Sekunden deutlich geschlagen geben – eine klare Niederlage.

Insofern konnte das Fazit des ersten Rudertages lauten: verdienter Sieg im Doppelzweier und verdiente Niederlage im Zweier ohne. Die Gefühlslage der Ruderer kann somit als eine Mischung aus Erfolg und relativer Niedergeschlagenheit beschrieben werden. Diese relative Niedergeschlagenheit nährte sich auch daraus, dass am Sonntag eine Wiederauflage des Zweier-ohne-Duells gegen Mölln bevorstand und nach der „Packung“ von 24 s Abstand der bevorstehende Rennausgang klar zu sein schien.

Die realistische Taktik bestand darin, die Steuerprobleme zu minimieren, den Kontakt zum Möllner Boot länger zu wahren und den Abstand im Ziel zu verringern. Die Hoffnung auf einen weiteren Regattaerfolg suchten die beiden daher eher im Doppelzweier, obwohl hier bewusst in der höheren Leistungsklasse A I gemeldet worden war. Somit gingen die beiden jungen Nienburger mit durchaus gemischten Gefühlen am Sonntagmorgen um 10 Uhr an den zweiten Start über 2000 m im Zweier ohne gegen Mölln.

„Nienburg“ – „Mölln“ – „Zwei Minuten“ – „Achtung“ – „Los“ – so das obligatorische Kommando auf Ruderregatten, welches die beiden Boote auf ihre 2000 m lange Reise schickte. Im Vergleich zum Vortag veränderte das Nienburger Boot die Startphase um zehn Schläge und fand sich zur eigenen Überraschung an der 300-m-Marke mit einer halben Bootslänge Vorsprung vor dem Boot aus Mölln.

Diese bemühten sich nun, diesen Rückstand bis zur 1000-m-Marke zu verringern, was ihnen nicht gelang. Auch der vom Vortag bekannte Zwischenspurt bei 1000 m hatte nicht die gewünschte Wirkung, sodass sich auf den zweiten 1000 m ein packender Bord-an-Bord-Kampf ergab, der bis in den Endspurt mündete. Hier fassten sich Lukas und Lennart ein Herz, erhöhten nochmals die Schlagzahl und konnten sich mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Möllner Boot die Siegermedaille sichern.

Verglichen mit der klaren Niederlage vom Vortag (24 s Abstand, vier Bootslängen) ein kleines Ruderwunder auf dem Aasee. Für das Feiern blieb indes wenig Zeit, da im Rennabstand von drei Stunden nun das abschließende Rennen des Doppelzweiers der Leistungsklasse I anstand.

Die Geschichte dieses letzten Rennens ist indes schnell erzählt: Den überlegenen Doppelzweier des Münsteraner Rudervereins fahren lassen und den auf dem dritten Platz rudernden Bochum/Witten kontrollieren sowie den zweiten Platz verteidigen. Dieser Plan ging auch trotz des kräftezehrenden Endspurts des Vorrennens auf, sodass Ruderer und Betreuer mit Siegen und Niederlagen im Gepäck die Rückreise aus dem Münsterland nach Nienburg antreten konnten.

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